SEXUELLER MISSBRAUCH - Vatikan verordnete "ewiges Schweigen"
Dienstag, 30. August 2011
Seit zwei Jahren wird vor allem die US-Kirche durch Klagen wegen sexuellen Missbrauchs erschüttert Priester sollen sich an Kindern vergangen haben, heißt es Hätten sich die Beteiligten an ein Kirchen-Dokument von 1962 gehalten, wären die Fälle nie an die Öffentlichkeit gekommen
Rom - Der Vatikan hat vor rund 40 Jahren offiziell angeordnet, Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester nicht der Öffentlichkeit mitzuteilen Bischöfe in der ganzen Welt seien damals in einem streng vertraulichen Schreiben angewiesen worden, solche Vergehen "mit größter Geheimhaltung" innerkirchlich zu verfolgen Das berichtet die Londoner Zeitung "The Observer"
Auch Opfer des Missbrauchs sollten unter der Drohung der Exkommunizierung "ewiges Schweigen" schwören Sie sollten den Missbrauch aber innerkirchlich anzeigen Der Vatikan wollte dazu heute nicht Stellung nehmen "Es gibt dazu zur Zeit keine Reaktion", hieß es in der Pressestelle
Ein Sprecher der katholischen Kirche in Großbritannien habe die Echtheit des Dokuments bestätigt, schrieb "The Observer" Allerdings bestritt er, dass es sich um einen absichtlichen Plan zur Vertuschung sexueller Missbrauchsfälle in der Kirche handele Es gehe vielmehr darum, "Beschuldigte zu schützen, so wie dies heute bei Zivilverfahren der Fall ist"
Das lateinische Rundschreiben des damaligen Heiligen Uffiz der heutigen Glaubenskongregation mit dem Titel "Crimine Solicitationies" bezieht sich auf sexuelle Belästigung durch Priester im Beichtstuhl oder vor und nach der Beichte In dem 69-Seiten-Schreiben geht es im Einzelnen darum, wie innerkirchliche Untersuchungen in solchen Fällen zu führen und Priester eventuell zu bestrafen sind
Das Schreiben trage das Siegel des damaligen Papstes Johannes XXIII Ein US-Anwalt habe es bei Nachforschungen über sexuellen Missbrauch in Geheimarchiven der katholischen Kirche entdeckt, berichtet das Blatt Papst Johannes Paul II hatte 2001 in Zusammenhang mit Vorwürfen gegen amerikanische Priester ein hartes Vorgehen gegen solchen Missbrauch gefordert
Quelle:DER SPIEGEL
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