Misshandlungen von Indianerkindern durch katholische Geistlich
Donnerstag, 8. Juli 2010
Artikel von der Tagesschau.de
08.07.10
Artikel
Papst entschuldigt sich bei kanadischen Ureinwohnern
Papst Benedikt entschuldigte sich bei Kanadas Ureinwohnern.
Papst Benedikt XVI. hat Kanadas Ureinwohnern in Rom sein tiefes Bedauern ausgesprochen über Misshandlungen, die sie als Kinder in katholischen Internaten erleiden mussten. "Trauer und Entsetzen" über "das bedauernswerte Verhalten einiger Kirchenvertreter" drückte Benedikt XVI. einer Delegation von Ureinwohnern nach seiner allwöchentlichen Generalaudienz aus.
Kinder wurden hart bestraft
Der Papst bezog sich damit auf physische, psychische und sexuelle Misshandlungen, denen Indianerkinder etwa ein Jahrhundert lang in katholischen Schulen in Kanada ausgesetzt waren. Kanada hatte den Nachwuchs seiner Ureinwohner - junge Inuits, Crees und andere Indianerkinder - über ein Jahrhundert aus ihren Familien gerissen und in katholischen Schulen unterrichtet. Dort wurden sie hart bestraft, wenn sie die eigene Sprache gebrauchten oder kulturelle und spirituelle Riten zelebrierten.
"Derartiger Missbrauch darf nicht toleriert werden", sagte der Papst den Mitgliedern der Delegation der "Versammlung der Ersten Nationen" (AFN), des Dachverbands der Ureinwohner. Die Gruppe wurde von ihrem Chef Phil Fontaine angeführt, der als Sechsjähriger selbst zur Umerziehung in ein Internat gesteckt worden war. Indianerhäuptling Fontaine äußerte sich sehr zufrieden über das Treffen mit Benedikt XVI.: "Seine Worte haben mir Kraft und Mut gegeben, die Verbindungen zwischen unserer Gemeinschaft und der katholischen Kirche wieder aufzubauen."
Entschädigungen durch kanadische Regierung
Indianerhäuptling Phil Fontaine führte die Gruppe kanadischer Ureinwohner an.
Die kanadische Regierung hatte die Ureinwohner vor wenigen Jahren mit zwei Milliarden Dollar für die Misshandlungen in den Schulen entschädigt. Damit wollte das Land eines der dunkelsten Kapitel seiner Geschichte schließen. Nach Angaben der kanadischen Bischofskonferenz beteiligte sich die katholische Kirche mit 79 Millionen Dollar (etwa 60 Millionen Euro) an den Zahlungen.
Experten führen viele Probleme der Ureinwohner, allen voran den weit verbreiteten Alkoholismus, Gewaltausbrüche und Inzest, auf das über Generationen erlittene Unrecht in den Internatsschulen zurück.
Kanadas Ureinwohner erhoffen Entschuldigung
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