Katholische Kirche wusste seit Jahren von Vorwürfen gegen Priester
Samstag, 8. Mai 2010
Spiegel Online
28.04.10
Artikel
Aus der katholischen Kirche Baden-Württembergs wird ein Fall bekannt, der erneut das Vertrauen in die Transparenz bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen erschüttert: Dort war seit Jahren die Veranlagung eines Priesters bekannt - der habe einst eine "ultimative Ermahnung" erhalten.
Sulz/Rottenburg - Die katholische Kirche weiß nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren von Missbrauchsvorwürfen gegen einen Priester aus Sulz in Baden-Württemberg, der nun vom Dienst entbunden wurde.
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Der Geistliche habe Anfang 2005 sexuelle Übergriffe an Jugendlichen eingeräumt, teilte die Diözese Rottenburg-Stuttgart am Mittwoch mit. Allerdings sei der Fall schon damals straf- und kirchenrechtlich verjährt gewesen. Der Priester habe einst "eine ultimative Ermahnung" erhalten. Erst jetzt seien weitere Übergriffe bekanntgeworden, die es rechtfertigten, den beschuldigten Pfarrer seiner Amtsgeschäfte zu entbinden, teilte die Diözese mit.
Unterdessen ist ein weiterer Seelsorger wegen des Verdachts von sexuellem Missbrauch beurlaubt worden. Der 44-Jährige, der zusammen mit einem Kollegen für die baden-württembergischen Pfarrgemeinden Tiengen und Lauchringen zuständig war, habe selbst darum gebeten, da gegen ihn in Irland ermittelt werde. Dort sei der Geistliche zwischen 1993 und 1995 in einer Ordensgemeinschaft tätig gewesen, teilte die Erzdiözese Freiburg am Mittwoch mit.
Der Seelsorger habe nicht gewusst, dass die Behörden in Irland gegen ihn vorgingen, sagte ein Diözesensprecher auf Anfrage. "Sobald er davon Kenntnis erhielt, hat er uns das mitgeteilt", sagte der Sprecher. Er wolle nun selbst bei der Aufklärung mithelfen und die Vorwürfe entkräften, hieß es. Vor knapp zwei Wochen war ein Priester aus Munderkingen abgelöst worden.
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