Grüne und Kinderschutzbund kritisieren Runden Tisch
Montag, 26. April 2010
Berlin - Die Ministerinnen waren zufrieden: Der von der Bundesregierung eingesetzte Runde Tisch gegen sexuellen Kindesmissbrauch solle zügig konkrete Ergebnisse vorlegen, sagten Kristina Schröder (CDU, Familie), Annette Schavan (CDU, Bildung) und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP, Justiz) nach der konstituierenden Sitzung am Freitag. Ende des Jahres solle ein Zwischenergebnis vorliegen - viel zu spät, findet Heinz Hilger, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes. "Mir dauert das viel zu lange", sagte er den "Ruhr Nachrichten". Es bestehe die Gefahr, dass bis dahin das Thema wieder von der Tagesordnung verschwinde, sagte Hilgers. "Bis zur Sommerpause muss ein Abschlussbericht vorliegen. Das ist zu schaffen", forderte er. Kritisch äußerte sich auch Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag: "Wir wären einen Riesenschritt weiter, wenn wir in Zukunft Führungszeugnisse verlangen überall dort, wo Erwachsene mit Kindern arbeiten", sagte sie den "Stuttgarter Nachrichten". "Das gilt für jeden Trainer, jeden Lehrer." Allerdings müssten sich auch Polizeien, Staatsanwaltschaften und Gerichte weiterqualifizieren, "damit diese Zeugnisse schnell erstellt werden und auf dem neuesten Stand sind, wenn sie von Behörden und potentiellen Arbeitgebern abgefragt werden". Den Runden Tisch bezeichnete sie als "Show": Der gesellschaftlichen Debatte solle die Spitze genommen werden, aber letztlich hätten sich die Arbeitskreise zunächst einmal alle vertagt. Einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge reagieren deutsche Katholiken offenbar mit einer zunehmenden Zahl von Austritten auf den Missbrauchsskandal in der Kirche. Recherchen in den Bistümern sowie bei Standesämtern und Amtsgerichten in Großstädten zufolge zeige sich dies insbesondere in den stark katholisch geprägten Regionen Süd- und Westdeutschlands. So nahmen im März die Austritte im Bistum Bamberg von sonst durchschnittlich 200 bis 300 auf etwa 1400 Gläubige zu. Im gesamten Bistum Augsburg, dessen Bischof Walter Mixa wegen Misshandlungsvorwürfen kürzlich seinen Rücktritt angeboten hatte, gab es dem Bericht zufolge seit Jahresbeginn 4300 Austritte. Laut einer Forsa-Umfrage für die "Bild"-Zeitung denkt jeder vierte deutsche Katholik über einen Austritt aus der Kirche nach. Demnach gaben 23 Prozent der Befragten an, sie hätten diesen Gedanken in letzter Zeit gehabt. Besonders hoch ist die Zahl bei denjenigen, die selten oder nie zur Kirche gehen: In dieser Gruppe dachten 38 Prozent in jüngster Zeit über einen Austritt nach. 66 Prozent der Katholiken sind der Meinung, dass Missbrauchsfälle in ihrer Kirche genauso häufig oder sogar seltener vorkommen als in anderen Bereichen der Gesellschaft. 64 Prozent glauben, dass die jüngsten Fälle das Ansehen der Kirche dauerhaft beschädigen. 50 Prozent der Katholiken sehen einen Zusammenhang zum Zölibat, den 81 Prozent abschaffen wollen. Kritisch sehen die befragten Katholiken die Aufarbeitung des Skandals: 77 Prozent haben den Eindruck, dass die Kirche versucht, manches zu vertuschen, nur 16 Prozent sehen eine offene und vorbehaltlose Aufklärung vonseiten der Kirche. Allerdings ist mit 87 Prozent die große Mehrheit der Meinung, dass Papst Benedikt XVI. nicht wegen der Missbrauchsfälle zurücktreten sollte.24.04.2010
Kampf gegen sexuellen Missbrauch

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