Deutschstämmiger Ex-Bischof gesteht Missbrauch
Freitag, 9. April 2010
| Veröffentlicht: | 7 April 2010 15:02 |
| Verändert : | 7 April 2010 15:04 |
OSLO - Ein aus Deutschland stammender früherer Bischof in Norwegen hat den sexuellen Missbrauch eines Messdieners vor rund 20 Jahren gestanden.
Der Missbrauchsfall sei der wahre Grund gewesen, warum der 58-jährige Georg Müller im vergangenen Jahr plötzlich vom Bischofsamt in Trondheim zurückgetreten sei, räumte die katholische Kirche Norwegens am Mittwoch ein.
Der Vatikan erklärte, über den Fall informiert gewesen zu sein.
Fall liegt zwei Jahrzehnte zurück
Die norwegische Zeitung Adresseavisen berichtete, die Kirche habe Anfang 2009 von dem Missbrauchsverdacht gegen den Bischof von Trondheim erfahren.
Der Fall liegt demnach zwei Jahrzehnte zurück, als Müller einfacher Priester in der Stadt in Zentralnorwegen war. Nach kircheninternen Ermittlungen habe der Würdenträger im Juni auf Druck des Vatikan sein Amt niederlegen müssen.
Als Begründung hatte es damals allerdings offiziell geheißen, Bischof Müller trete wegen Unstimmigkeiten mit Mitarbeitern zurück. Das Opfer, das anonym bleiben wolle, habe umgerechnet bis zu 63.000 Euro Schadenersatz erhalten.
Der Bischof von Oslo und Trondheim, Bernt Eidsvig, sagte, Müller habe die Vorwürfe sofort gestanden. Die Kirche habe den Fall auf Wunsch des Opfers geheim gehalten. Der Fall sei strafrechtlich verjährt, es gebe keine Hinweise auf weitere Verfehlungen von Müller.
Der Ex-Bischof habe eine Therapie gemacht und sei nicht mehr als Seelsorger tätig. Das ist ein "sehr trauriger Fall", sagte Eidsvig. Die norwegische Kirche stehe "unter Schock".
Opfer habe um Anonymität gebeten
Der aus der Nähe von Trier stammende Müller war 1978 zum Priester geweiht worden und amtierte zwischen 1997 und 2009 als Trondheimer Bischof. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi sagte in Rom, der Vatikan sei seit Januar 2009 über den Missbrauchsfall informiert gewesen.
Der Fall sei "zügig" von der Glaubenskongregation und der für Norwegen zuständigen päpstlichen Nuntiatur in Stockholm untersucht worden. Auch Lombardi sagte, das Opfer habe um Anonymität gebeten, weshalb der Fall nicht an die Behörden weitergeleitet worden sei.
Die katholische Kirche wird derzeit von einer Welle von Enthüllungen über Missbrauchsfälle in Ländern auf der ganzen Welt erschüttert.
Betroffen sind auch kirchliche Einrichtungen in Deutschland. Dabei sieht sich die Amtskirche Vorwürfen ausgesetzt, Fälle sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit vertuscht zu haben.
Auch Papst Benedikt XVI. steht wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen zu seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising sowie als Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan in der Kritik.
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