Bischof Ackermann: Kirche hat sexuellen Missbrauch vertuscht
Sonntag, 18. April 2010
(17.03.2010) Trierer Bischof räumt Fehlverhalten der Kirche ein
Bischof Ackermann: Kirche hat sexuellen Missbrauch vertuscht
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner äußerte sich entsetzt über die Missbrauchsfälle. In seinen 48 Jahren als Priester habe er noch nie eine so schwere Zeit für die Kirche erlebt, sagte Meisner nach Angaben der Erzbischöflichen Pressestelle. Das Erzbistum will in Kürze eine Frau als Ansprechpartnerin für Missbrauchsopfer benennen.
Nach Einschätzung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann hat die katholische Kirche durch falsche Rücksichtnahmen verhindert, dass die sexuellen Missbrauchsfälle schon wesentlich früher aufgeklärt wurden. "Da wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist", sagte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Kirche der in Koblenz erscheinenden "Rhein-Zeitung". Nach Angaben der Diözese Rottenburg-Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft im Fall Bad Mergentheim. Anfang der 70er Jahre soll ein heute knapp 80 Jahre alter Pater mindestens einen Schüler in dem Kloster sexuell missbraucht haben, bestätigte ein Sprecher der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz in Münster. Das Opfer habe sich erst in den vergangenen Tagen gemeldet. Der Beschuldigte sei erst vor zwei Jahren wieder zurück nach Bad Mergentheim versetzt worden, hieß es.
Ein Franziskaner-Pater aus dem Emsland hat in einer NDR-Rundfunksendung zugegeben, in den 70er Jahren gemeinsam mit einem weiteren Pater mit Jugendlichen sogenanntes Klamottenknobeln gespielt zu haben. Bei dem Würfelspiel im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus haben Geistliche und Jugendliche je nach gewürfelter Augenzahl Alkohol getrunken, Kleidung bis zum Nacktsein ausgezogen und Wangen sowie Brüste geküsst. Der heute als Seelsorger in einem Kloster tätige Pater ist vom Dienst suspendiert. Der andere Geistliche hatte den Orden 1993 verlassen. Der oberste Franziskaner in Niedersachsen, Pater Norbert Plogmann, rief die Geschädigten auf, sich zu melden.
Erste Hinweise auf sexuellen Missbrauch in einem früheren katholischen Jungen-Internat im hessischen Bensheim gab es bereits in den 70er und 80er Jahren - Konsequenzen wurden aber nicht gezogen. Es sei ein Brief an den damaligen Mainzer Bischof, Kardinal Hermann Volk, vom Februar 1981 aufgetaucht, in dem ein Schüler sexuellen Missbrauch durch den Internats-Leiter schildert, teilte das Bistum in Mainz mit.
Die Zahl der Kirchenaustritte ist nach bisher vorliegenden Angaben nicht gestiegen. Dies könnte auch damit zusammenhängen, dass sich austrittswillige Katholiken beim Standesamt - andernorts beim Amtsgericht - melden müssen. Viele Bistümer berichten aber über eine erhöhte Zahl von Anfragen, Anrufen und Briefen.
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