Vergangenheit holt den Papst ein
Sonntag, 28. März 2010
SEXUELLER MISSBRAUCH 25. März 2010 06:43; Akt: 25.03.2010 12:53
Vergangenheit holt den Papst ein
Die Luft für Papst Benedikt XVI. wird dünner. Gleich mehrere Bischöfe hätten vor einem Skandal in den USA gewarnt, doch der damalige Kardinal Joseph Ratzinger habe nicht reagiert.
Der Vatikan hat nach Angaben der «New York Times» nichts gegen einen amerikanischen Priester unternommen, der bis zu 200 gehörlose Jungen sexuell missbraucht haben soll. Auch der damalige Kardinal Joseph Ratzinger und heutige Papst Benedikt XVI. sei untätig geblieben. Dies, obwohl gleich mehrere US-Bischöfe gewarnt hätten, dass die Angelegenheit die Kirche in eine peinliche Lage bringen könne, berichtetet die Zeitung am Mittwochabend im Internet.
Die «New York Times» berief sich dabei auf Dokumente, die sie nach eigenen Angaben von Anwälten erhalten hat, die Kläger gegen das Erzbistum von Milwaukee (US-Staat Wisconsin) vertreten. Daraus gehe hervor, dass sich Kirchenvertreter zwar mit der Frage auseinandergesetzt hätten, ob der Priester aus seinem Amt entfernt werden solle. Aber der Schutz der Kirche vor einem Skandal habe die höchste Priorität gehabt.
Keine Antwort von Ratzinger
Der Fall dreht sich laut «New York Times» um einen 1998 verstorbenen Priester, der von 1950 bis 1974 in einer bekannten Schule für gehörlose Kinder arbeitete. 1996 habe der damalige Kardinal Ratzinger auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee zu dem Fall nicht geantwortet, so die Zeitung.
Acht Monate später wurde ein geheimes kircheninternes Verfahren eingeleitet, das zur Entfernung des fehlbaren Priesters aus dem Amt hätte führen können. Die Prozedur wurde aber gestoppt, nachdem der Priester beim deutschen Kardinal Ratzinger schriftlich dagegen protestiert habe. Er argumentierte demnach, er habe bereut, sei krank und der Fall ausserdem gemäss der Kirchenregeln bereits verjährt. In den ihr vorliegenden Unterlagen finde sich keine Antwort Ratzingers, heisst es in der «New York Times».
Insgesamt wurden nach dem Bericht der Zeitung drei hintereinander amtierende Erzbischöfe in Wisconsin über den mutmasslichen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt, jedoch informierte keiner von ihnen die Behörden.
In aller Stille versetzt
Der Priester sei 1974 in aller Stille in eine Diözese im nördlichen Wisconsin versetzt worden. Dort habe er bis zu seinem Tod weiter in Gemeinden, Schulen und - laut einer Klageschrift - im Jugendstrafvollzug Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehabt.
Vatikansprecher Federico Lombardi nannte es in der Zeitung einen «tragischen Fall». Der Vatikan habe erst 1996 von den Vorfällen Kenntnis erhalten. Die US-Behörden hätten den Fall untersucht und nicht weiterverfolgt.

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