Kein Wort zu Deutschland
Dienstag, 23. März 2010
tagesschau.de 23.März 2010 Hirtenbrief des Papstes Viele hatten erwartet, dass sich der Papst in seinem Hirtenbrief zumMissbrauchsskandal in Irland auch zu den Fällen in Deutschland äußert. Doch sie werden enttäuscht. Benedikt XVI. tadelte die irischen Bischöfe für ihre Vergehen und kündigte eine Untersuchung an. Missbrauch sei jedoch "weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches" Problem. Vielmehr sieht der Papst eine Ursache dafür im sozialen Wandel und der Verweltlichung. Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom Benedikt XVI. geht mit keinem Wort auf die Situation nach dem Missbrauchsskandal in deutschen kirchlichen Einrichtungen ein. In seinem 20-seitigen Schreiben an die Gläubigen in Irland heißt es lediglich einmal, das Problem des Missbrauchs von Kindern sei "weder ein rein irisches noch ein rein kirchliches". Das war nach Ansicht des Chefs der deutschen Abteilung von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord, zu erwarten, denn der Hirtenbrief richtet sich nicht wie eine Enzyklika an die katholische Kirche im allgemeinen, sondern nur an die Gläubigen in Irland:"Er ist ja relativ deutlich, was die Fehler angeht. Er benennt ganz klar Schuldige, das Fehlverhalten, das Scheitern von Bischöfen. Die deutsche Situation ist anders. Wir sind noch nicht so weit, dass wir sagen könnten, wir wollen den Schritt in die Zukunft wagen. Wir sind noch in der Aufklärung mittendrin. Hätte er alles einbeziehen wollen, wäre das ein wolkiger, allgemeiner Text geworden." Missbrauch als Sünde und Verbrechen Das ist der Papst tatsächlich. Er kündigt in seinem Schreiben übrigens auch an, dass er bereit sei, persönlich mit Missbrauchsopfern zu sprechen. Zudem kündigt er eine Visitation an, also eine vatikanische Untersuchung in irischen Bistümern. Aber andererseits verkündet er keine Strafen für die Täter, fordert vor allem zu Gebeten für die Kirche auf, spricht vom großen Geschenk des priesterlichen Dienens und von gemeinsamen Anstrengungen, die jetzt unternommen werden müssten.

Hatte mit dieser Stellungsnahme des Papstes gerechnet: Pater Hagenkord von Radio VatikanTrotzdem ist der Hirtenbrief in Sachen Kindesmissbrauch natürlich als eine Art Grundsatzerklärung des Papstes zu verstehen. Noch einmal Pater Hagenkord: "Er bezeichnet ganz klar Missbrauch als Sünde und Verbrechen. Er sagt ganz deutlich, dass die staatlichen Behörden mit einzubeziehen sind, dass sie einbezogen werden müssen in die Aufklärung. Er nennt Ross und Reiter beim Namen. Also er ist nicht jemand, der sich hinter irgendwelchen Säulen versteckt - vor allem in den Absätzen, in denen er die einzelnen Gruppen direkt anspricht: die Täter, die Opfer, die Bischöfe. Da ist er sehr deutlich in seiner Sprache."
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